Zum Stück

«‘Dr Amerikaner’ ist eine Schatzkammer von urchigem Brauchtum, Witz, Heimatliebe
und einer wunderschönen Mundart.»

Regisseurin Marie-Theres von Wyl-Berwert

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zog es Tausende Schweizer nach Amerika,
um als Knecht, Bauer oder Landarbeiter den Traum einer besseren Existenz zu verwirklichen.
Hans Sigrist, Sohn eines Auswanderes, jung und weltgewandt, reist in die Schweiz
zurück und macht bei der Obwaldner Bergbauernfamilie Fanger seine Aufwartung.
Franzi, die ältere der beiden Töchter, setzt unter Beihilfe ihrer Mutter Kathriseppi alles
daran, den gut situierten Gast von der anderen Seite der Welt, mit ihren weiblichen
Vorzügen zu beeindrucken, um sich als mögliche zukünftige Frau zu empfehlen.
Der Besuch aus dem fernen Amerika bringt das vermeintlich idyllische Leben der ganzen Familie und deren Verwandtschaft so ziemlich durcheinander. Der junge Mann mitObwaldner Wurzeln scheint sich nicht mit einem Kurzbesuch in seiner Heimat zufriedenzu geben. Die geplante Brautschau entwickelt sich alsdann zu einer tragisch heiterenKomödie für alle Beteiligten.

Nach der Bühnenaufführung 1938 kehrt «Dr Amerikaner» als Freilichtpremiere in die
Schwendi zurück.

Auswandern – die lange Reise der grossen Hoffnung

Die Schweiz zählte um 1900 zu den ärmsten Ländern Europas. In den Jahren 1850
bis 1914 wanderten rund 400‘000 Schweizerinnen und Schweizer aus. Wirtschaftlich
schwierige Zeiten in der Heimat lockten auch Hunderte Obwaldner nach Übersee. Das
von Gemeinden entliehene Reisegeld als Starthilfe in eine vermeintlich bessere
Zukunft verstärkte den Lockruf der Neuen Welt. Über 90 Prozent der aus Obwalden
stammenden Auswanderer wählten zu dieser Zeit Nordamerika als Destination ihrer
Reise der Hoffnung, vornehmlich den mittleren Westen und die Pazifikküste. Die
Schweizer Pioniere gründeten Siedlungen mit Schweizer Namen wie New Glarus in
Wisconsin und New Bern in North Carolina.
Von Obwalden ging die Reise erst in die Hafenstädte Hamburg, Bremen, Antwerpen
oder Le Havre. Fünf bis sieben Tage dauerte die Überfahrt nach New York. Mit einer
grossen Portion Hoffnung im Gepäck, etwas Bargeld und im besten Fall einer Adresse
eines Bekannten «drüben» machten sich die Auswanderer auf, sich trotz fehlenden
Sprachkenntnissen den Traum einer besseren Zukunft zu erfüllen. Angekommen im
gelobten Land folgte eine knapp einwöchige Weiterreise mit dem Zug an die
Westküste. Im unwirtlichen Imperial Valley in Kalifornien an der Grenze zu Mexiko siedelten
sich um die Jahrhundertwende viele Auswanderer an. Noch heute gilt das
Imperial Valley als Obst- und Gemüsekammer der USA.