Erstmals literarisch in Erscheinung trat Rosalie Küchler-Ming 1920
mit der Weihnachtserzählung «Das Schaukelpferd und die kleinen Engelein». Die
Geschichte war inspiriert von dem jeweils zur Weihnachtszeit schmuckvoll dekorierten
und farbig beleuchteten Schaufenster ihres Ladens, das weit herum viele Schaulustige
anzog. 1923 veröffentlichte sie die Bauernkomödie «Dr Amerikaner», die im selben
Jahr an der Kunst- und Gewerbeausstellung in Sarnen uraufgeführt wurde. Der
Obwaldner Volksfreund schrieb zum überwältigenden Erfolg: «Man reisst sich um die
Plätze für den ‚Amerikaner’». 1929 kam das Volksstück an der «Saffa» in Bern, der
ersten Ausstellung für Frauenarbeit, zu einer weiteren viel beachteten Aufführung. Die
vielseitige Schriftstellerin engagierte sich auch als moderate Frauenrechtlerin, und so
sammelte sie zu dieser Zeit Unterschriften für das Frauenstimmrecht.
Bereits ihr Vater, der Landarzt und Nationalrat Peter Anton Ming, betätigte sich nebenberuflichals Journalist und Mundartdichter. So folgte Rosalie Küchler-Ming dem journalistischen Erbe und berichtete in der Tageszeitung «Vaterland» über die
Geschehnisse in Obwalden. Ihr breites Interesse und ihre sorgfältige Feder wurden
auch von anderen schriftstellerisch tätigen Zeitgenossen geschätzt. Allen voran vom in
Sachseln aufgewachsenen Dichter und katholischen Priester Heinrich Federer. Mit ihmpflegte sie einen regen Briefwechsel.
In den 1930er-Jahren wandte sich Rosalie Küchler-Ming zunehmend historischen
Erzählungen zu und machte sich mit dieser Literaturform weit herum einen Namen.
Besonders bekannt sind: Die Lauwisertrilogie mit «Die Lauwiser und ihr See. Erzählungaus den Jahren 1831 bis 1836» (erschienen 1935), «Die Lauwiser im Krieg. Erzählungaus dem Jahre 1847» (1936), «Die Lauwiser und ihr Pfarrer. Erzählung aus den 1850erJahren» (1939) sowie die Publikationen «Unseres lieben Herrgotts Orgel» (1937, über Bruder Klaus) und «Aerni vom Melchi» (1948). Rosalie Küchler-Ming gehörte überdieszu den profundesten Kennerinnen der Bruderklausen-Literatur. Ihre kurze Bruderklausenbiographie wird auch heute noch regelmässig neu aufgelegt. Bekannt ist die Sarner Schriftstellerin auch als Verfasserin des Volksliedes «Obwaldnerländli» («Ohmis liebs Obwaldnerländli»).
Die Bedeutung ihres schriftstellerischen Schaffens für die damalige Zeit lässt sich am
Beispiel der Wertschätzung durch Bundesrat Philipp Etter erklären: Als frisch gewählter Bundespräsident stattete er Rosalie Küchler-Ming nach ihrem schweren Herzinfarkt im Berner Tiefenauspital einen Krankenbesuch ab und würdigte ihre literarische Tätigkeit.Rosalie Küchler-Ming verstarb 1946 im Alter von 64 Jahren in Sarnen.
|